Ein Sound wie Seelenbalsam
Acht Jahre nach dem Live-Debüt veröffentlicht das Wolfgang Muthspiel Chamber Trio nun sein erstes Album. Die insgesamt zehn Stücke stehen für ein ebenso einfallsreiches wie sinnliches Musikerlebnis.
Der Komponist und Gitarrist Wolfgang Muthspiel (*1965), der in Basel das Focusyear am Jazzcampus leitet, mag es kreativ, vielfältig und stupend. Wofür er sich mit Vorliebe unterschiedlichster Formate bedient. Entsprechend ist der gefragte Jazzmusiker mal als Leader einer Big Band unterwegs, mal solo und besonders gerne in Dreierbesetzung. Der neueste Musikstreich des Österreichers ist denn auch eine Veröffentlichung des Wolfgang Muthspiel Chamber Trios, die erste, obwohl die Live-Premiere der Formation bereits vor acht Jahren erfolgt ist. Neben dem Namensgeber an der Gitarre gehören auch dessen Landsmann Mario Rom, Trompete, und der Westschweizer Colin Vallon am Piano zur Formation. Erklärtes Ziel der drei ist es, gemeinsam ein interaktives, polyfones musikalisches Netz zu spinnen, das sich die Intimität und Transparenz kammermusikalischer Formationen zu eigen macht, ohne dabei je die rhythmische Kraft und die Verspieltheit zu verlieren.
Bereits der erste Track, Guacho Schubert, verdeutlicht, dass man eine Kammermusik frei von Förmlichkeiten und herkömmlicher Pracht anstrebt. Stattdessen fokussiert das Trio bevorzugt auf Improvisation, den Klang und vor allem das Hier und Jetzt. Man verzichtet auf Bass und Schlagzeug, was erst bei genauerem Hinhören auffällt. Nicht zuletzt, weil Muthspiel seinen Gitarrenkorpus zwischendurch für herzschlagartige Perkussion zweckentfremdet und Vallon seine Klaviersaiten dämpft. Während im Titelstück Atlas die drei Instrumente perfekt ineinanderfliessen und so die Musik zwischen Klassik, Jazz und World Music zum Pulsieren bringen, zeigt sich das nachfolgende Might This Be The End still und ganz nach innen gerichtet. Das Resultat ist ein Sound wie Seelenbalsam. Auch andere Stücke wie Lionel, das wie ein afrikanisches Reisememento anmutet, der elegant swingende Duke’s Blues oder das vertrackt-verspielte Dogs sorgen für ein einfallsreiches und zugleich sinnliches Musikerlebnis. Und je mehr man sich darauf einlässt, desto mehr wird man belohnt.
Michael Gasser
Schweizer Musikzeitung